Frankfurt (Reuters) - Nach dem weltweiten Einbruch der Aktienmärkte zum Wochenanfang haben sich Anleger in der Hoffnung auf Staatshilfen gegen die Folgen der Coronavirus-Epidemie wieder aus der Deckung gewagt.
US-Präsident Donald Trump reagierte auf den Absturz der Kurse sowie des Ölpreises mit der Ankündigung eines größeren Hilfspakets, zu dem er im Tagesverlauf Details vorlegen wollte. Der Dax legte am Dienstag 3,6 Prozent auf 11.006 Punkte zu, der EuroStoxx50 kletterte um 4,0 Prozent auf 3076 Zähler. "Das dürfte allerdings noch keine Trendwende sein", betonte Jochen Stanzl, Marktanalyst bei CMC Markets.
Die Aussicht auf staatliche Unterstützung für von der Coronavirus-Epidemie gebeutelte Unternehmen sorgte auch am Ölmarkt für Auftrieb. Die Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich um 5,1 Prozent auf 36,12 Dollar je Barrel. Allerdings hielten Sorgen über die schwächelnde Nachfrage den Preisanstieg in Schach. Zugleich belastete die Ankündigung des saudi-arabischen Ölkonzerns Saudi Aramco, im April den Ölhahn aufzudrehen und 12,3 Millionen Barrel pro Tag zu fördern.
Nach dem Aus der Gespräche zwischen den Opec-Ländern und Russland über eine Förder-Drosselung waren die Ölpreise zum Wochenanfang abgestürzt. Als Reaktion auf die russische Blockade hatte Saudi-Arabien die Preise gesenkt und eine Ausweitung der Produktion angekündigt. Das verstärkte an den Finanzmärkten die Furcht vor einer Wirtschaftskrise im Zuge der Coronavirus-Epidemie und versetzte weltweit Anleger in Panik. Der Dax verbuchte am Montag mit einem Minus von fast acht Prozent den größten Tagesverlust seit den Anschlägen auf das World Trade Center in New York vom 11. September 2001.
MEHR SPIELRAUM DURCH GEFALLENEN ÖLPREIS
"Hier ist ein Kartell zerbrochen, das bislang den Ölpreis manipulierte", sagte Marktanalyst Stanzl. Der gefallene Ölpreis sorge nun zum einen dafür, dass die Menschen dank niedrigerer Bezinkosten in den wirtschaftlich angespannten Zeiten des Coronavirus entlastet würden. Zum anderen sinken die Inflationserwartungen, was den Zentralbanken mehr Spielraum verschaffe. "Das Arsenal an möglichen geldpolitischen Stimuli hat sich durch den gefallenen Ölpreis spürbar erweitert."
Bereits in der vorigen Woche hatte die US-Notenbank Fed den Leitzins gekappt und dann am Montag zusätzliches Geld in den Markt gepumpt. In Europa steht diese Woche der Zinsbeschluss der Europäischen Zentralbank an. "Die Entscheidung Italiens, das ganze Land unter Quarantäne zu stellen, betrifft 15 Prozent der Wirtschaftsleistung Europas, was die EZB in eine führende Position bringt, die Folgen abzufedern", sagte Brian Martin, Volkswirt bei der Bank ANZ.
POST SIEHT ERHOLUNGSZEICHEN IN CHINA
Bei den Einzelwerten gehörte die Deutsche Post mit einem Kursplus von bis zu 7,8 Prozent zu den größten Dax-Gewinnern. In der Corona-Krise seien erste Anzeichen einer Erholung des China-Geschäfts zu spüren, teilte der Konzern mit. Das Express-Geschäft in der Volksrepublik habe Anfang März wieder zugelegt.
Infineon-Aktien kletterten um bis zu 6,7 Prozent nach oben, nachdem die US-Genehmigungsbehörde CFIUS der Übernahme von Cypress Semiconductor durch den Münchner Chipkonzern zugestimmt hatte. Es gebe keine Bedenken bezüglich der nationalen Sicherheit, erklärte Cypress. Nun fehle nur noch die Zustimmung der chinesischen Regulierungsbehörden. Cypress stellt Halbleiter für selbstfahrende Autos her, aber auch Komponenten für den militärischen Einsatz. Infineon will mit dem neun Milliarden Euro schweren Zukauf in die Riege der zehn größten Chiphersteller der Welt aufsteigen.