Frankfurt (Reuters) - Am großen Verfallstag an den Terminmärkten haben Anleger in Europa die Füße weitgehend still gehalten.
Dax und EuroStoxx50 lagen am Freitag jeweils leicht im Minus bei 12.345 beziehungsweise 3550 Punkten. Störfeuer aus dem US-Präsidialamt im Handelsstreit mit China blieben aus, die Lage in Nahen Osten sei ruhig und selbst in den festgefahrenen Brexit-Prozess komme Bewegung, sagte Jochen Stanzl, Chefanalyst beim Brokerhaus CMC Markets. "Es sieht alles danach aus, als hätten die Anleger schon in der Rally der vergangenen vier Wochen ihr gesamtes Pulver verschossen, als sie in der Hoffnung auf die Lösung aller Probleme und geldpolitische Geschenke schon jede Menge Vorschusslorbeeren verteilt haben."
Am sogenannten Hexensabbat verfallen Futures und Optionen auf Indizes sowie Optionen auf einzelne Aktien. Zu diesem Termin schwanken die Aktienkurse üblicherweise stark, weil Investoren die Preise jener Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen. Es könne deswegen gut sein, dass die Kurse am Nachmittag Fahrt aufnähmen, sagte Stanzl. "Und dass die Reise weiter nach oben gehen könnte, dafür stehen die Chancen nicht schlecht."
Die Hoffnung auf ein Brexit-Abkommen stützte das britische Pfund. Die britische Währung legte in der Spitze 0,5 Prozent auf 1,2581 Dollar zu. Großbritannien und die Europäische Union hätten sich in den sieben Wochen seit dem Amtsantritt von Premierminister Boris Johnson weit bewegt, und beide Seiten könnten sich immer noch auf ein Austrittsabkommen bis zum 31. Oktober einigen, sagte Brexit-Staatssekretär Kwasi Kwarteng der BBC. Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte sich am Donnerstag zuversichtlich geäußert. Irland sieht dagegen noch keinen Brexit-Durchbruch.
ERNEUERBARE ENERGIEN IM AUFWIND
Am weltweiten Klima-Aktionstag waren die Aktien von Windkraft- und Solarenergieunternehmen gefragt. Die Papiere von SMA Solar schnellten zeitweise sieben Prozent in die Höhe, Nordex gewannen bis zu 5,2 Prozent. Die große Koalition sollte nach Beratungen des Klimakabinetts ein Eckpunktepapier zum Klimaschutz vorstellen. Damit will die Bundesregierung sicherstellen, dass Deutschland seine für 2030 gesetzten Klimaschutz-Ziele einhalten kann. Börsianer setzen auf höhere Ausbauziele für Wind- und Sonnenstrom. Zudem hat die Bewegung "Fridays for Future" weltweit zu Protesten für mehr Klimaschutz aufgerufen.
An ihrem letzten Handelstag im Dax notierten die Aktien von ThyssenKrupp 1,1 Prozent schwächer. Sie werden vom Triebwerksbauer MTU abgelöst, der Wechsel gilt ab Montag. MTU-Papiere notierten 1,3 Prozent schwächer.
Ein zusätzlicher Kapitalbedarf schlägt den Anlegern bei Thomas Cook auf den Magen. Der kriselnde Reisekonzern benötigt weitere 200 Millionen Pfund. "Die Rekapitalisierung wird voraussichtlich zu einer erheblichen Verwässerung der Interessen bestehender Aktionäre führen, wobei ein erhebliches Risiko einer Nichterholung besteht", erklärte der Konzern. Die Papiere brachen um bis zu 27,9 Prozent auf 3,22 Pence ein.